Die Stadt Crimmitschau

Die Stadt der 100 Schornsteine

Die Große Kreisstadt Crimmitschau liegt an der Pleiße, direkt an der Grenze zum Freistaat Thüringen, und zählt heute rund 18.000 Einwohner. Ihr Stadtrecht erhielt sie 1414 – das 600-jährige Jubiläum wurde 2014 mit einer großen Festwoche gefeiert. Berühmt wurde die Stadt aber vor allem durch das, was im 19. Jahrhundert aus ihr wurde: das Zentrum der westsächsischen Textilindustrie, die legendäre „Stadt der 100 Schornsteine".

Als in Crimmitschau die Millionäre wohnten

Um 1900 rauchten hier tatsächlich die Schornsteine von Dutzenden Spinnereien, Webereien und Tuchfabriken – 1933 zählte man über 80 Textilbetriebe. Der Aufstieg war rasant: Lebten um 1800 noch etwa 1.700 Menschen in der Stadt, waren es vor dem Ersten Weltkrieg rund 29.000. Und der Wohlstand ließ sich sehen: Ende des 19. Jahrhunderts lebten in Crimmitschau – gemessen an der Einwohnerzahl – die meisten Millionäre im gesamten Deutschen Reich. Die Fabrikanten bauten ihre prachtvollen Villen wohlweislich am Westberg, damit der Westwind den Rauch ihrer eigenen Schornsteine in die andere Richtung trug. Geschäftssinn und Pragmatismus – auch das ist sächsische Tradition.

Crimmitschau schrieb aber auch Sozialgeschichte: Der große Textilarbeiterstreik von 1903/04, bei dem Tausende Arbeiterinnen und Arbeiter monatelang für den Zehnstundentag kämpften, machte die Stadt deutschlandweit bekannt und gilt bis heute als Meilenstein auf dem Weg zu fairen Arbeitsbedingungen – ein Kapitel Geschichte, das daran erinnert, dass wirtschaftlicher Erfolg und sozialer Ausgleich zusammengehören. Genau dieser Gedanke lebt in der Sozialen Marktwirtschaft bis heute fort.

Wer diese Zeit hautnah erleben will, besucht die Tuchfabrik Gebr. Pfau: die größte fast vollständig erhaltene Volltuchfabrik Mitteleuropas, heute Teil des Sächsischen Industriemuseums. Hier fliegen bei Vorführungen noch die Webschiffchen und tanzen die Spindeln – Industriegeschichte zum Anfassen. Und das Schönste: Mit der 1837 gegründeten Firma Spengler & Fürst produziert bis heute eine Tuchfabrik in Crimmitschau. Die Tradition lebt.

Eishockey ist hier Religion

Wer Crimmitschau verstehen will, muss ins Kunsteisstadion im Sahnpark gehen. Die Eispiraten Crimmitschau sind weit mehr als ein Sportverein – sie sind gelebte Stadtkultur. Wenn über 5.000 Zuschauer die Mannschaft im Profi-Eishockey anfeuern, steht dort gefühlt die halbe Stadt auf den Rängen. Dass eine Stadt dieser Größe seit Jahrzehnten Profi-Eishockey stemmt, sagt viel über den Zusammenhalt der Crimmitschauer aus.

Der Sahnpark selbst ist mit 40 Hektar die grüne Lunge der Stadt – mit dem Sahnbad, dem größten Waldbad der Region, einem Tiergehege und kilometerlangen Wanderwegen. Im Ortsteil Blankenhain wartet mit dem Deutschen Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain ein weiteres Juwel: ein Freilichtmuseum mit rund 100 thematischen Ausstellungen zum ländlichen Leben vergangener Jahrhunderte.

Gewandelt, nicht gebrochen

Aus der einstigen grauen Industriestadt ist ein modernes Mittelzentrum geworden – mit saniertem Stadtzentrum, historischem Rathaus samt Glockenspiel, der St. Laurentiuskirche und den denkmalgeschützten Fabrikantenvillen rund um die Lindenstraße, deren Geschlossenheit für Westsachsen einzigartig ist. Die 100 Schornsteine rauchen nicht mehr – aber der Fleiß, der sie einst rauchen ließ, ist geblieben. Crimmitschau hat sich gewandelt, ohne seine Identität zu verlieren. Und genau das macht diese Stadt so liebenswert.

Quellen

  • Stadt Crimmitschau (www.crimmitschau.de)
  • Sächsisches Industriemuseum / Tuchfabrik Gebr. Pfau (www.tuchfabrik-crimmitschau.de)
  • Tourismusregion Zwickau / Zeitsprungland (www.zeitsprungland.de)
  • Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (www.statistik.sachsen.de)