Neukirchen/Pleiße liegt eingebettet im Tal der Pleiße zwischen Werdau und Crimmitschau – ein typisches Reihendorf, das sich über dreieinhalb Kilometer beiderseits des Flusses und der Bahnlinie Leipzig–Hof erstreckt. Rund 4.000 Menschen nennen die Gemeinde mit ihren Ortsteilen Neukirchen, Dänkritz und Lauterbach ihr Zuhause. Im Norden zeigt Neukirchen fast städtische Züge, im Süden geht es in idyllisches Dorfgebiet über, und im Südwesten glitzert die Talsperre Koberbach. Wer hier lebt, hat beides: die Nähe zu den Städten und die Ruhe des Landes.
Ein Ort, älter als sein Name
Die Geschichte dieses Fleckchens Erde reicht erstaunlich weit zurück: Funde im Pleißental deuten auf menschliche Besiedlung bereits um 3000 vor Christus hin, und Ende des 6. Jahrhunderts gründeten sorbische Siedler hier ihre Dörfer – darunter wohl die späteren Ortsteile Culten und Schiedel. Seinen Namen aber verdankt Neukirchen einer kuriosen Wendung der Kirchengeschichte: Als das örtliche Kloster 1478 mit päpstlicher Genehmigung in ein Kartäuserkloster umgewandelt wurde, hatten die Einwohner ein Problem – Kartäusermönche betreiben keine Seelsorge, und die Martinskirche im Klosterbezirk war für die Gemeinde fortan tabu. Also bauten die Neukirchener kurzerhand eine neue Kirche, die am 11. November 1495 geweiht wurde. Die „neue Kirche" gab dem Ort seinen Namen – und die St.-Martins-Kirche ist bis heute sein geistliches Zentrum. Man könnte sagen: Neukirchen entstand, weil seine Bewohner sich nicht abfinden wollten, sondern selbst anpackten. Ein Wesenszug, der sich gehalten hat.
Eine Anekdote am Rande: 1547 lagerten bei Culten spanische Truppen aus dem Heer Kaiser Karls V. – die Flurnamen Spaniergrund und Spanierbach erinnern bis heute daran. Neukirchen hatte also schon internationalen Besuch, lange bevor das Wort Globalisierung erfunden wurde.
Schlösser, Erfinder und fleißige Hände
Für eine Gemeinde dieser Größe ist die Dichte an Bemerkenswertem beachtlich. Das Schloss Schweinsburg, heute als Schlosshotel weit über die Region hinaus bekannt, zeugt von der Zeit der Rittergüter, die hier Ende des 19. Jahrhunderts eine Vorreiterrolle in der Landwirtschaft spielten. Das Schloss Lauterbach wurde 1907 bis 1909 nach Plänen keines Geringeren als Henry van de Velde umgebaut – einem der bedeutendsten Architekten und Wegbereiter des modernen Designs in Europa.
Und Neukirchen hat der Welt sogar eine Erfindung geschenkt: Hier wurde 1909 Heinrich Mauersberger geboren, der Erfinder der Malimo-Nähwirktechnik, die die Textilindustrie revolutionierte. Aus dem alten Tuchmachergewerbe war Anfang des 20. Jahrhunderts eine ansehnliche Textilindustrie gewachsen; später prägte die Metallverarbeitung mit der Heizkörperproduktion den Ort. Der Strukturwandel hat auch Neukirchen gefordert – doch Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft tragen die Gemeinde bis heute, und die Lage zwischen A 4 und A 72 samt S-Bahn-Anschluss am Haltepunkt Schweinsburg-Culten macht sie als Wohn- und Wirtschaftsstandort attraktiv.
Eine Gemeinde mit Rückgrat
Was Neukirchen wirklich auszeichnet, lässt sich nicht in Statistiken fassen: Es ist der Zusammenhalt. Das Landschulzentrum mit Grundschule und Internationaler Oberschule hält Bildung im Ort – keine Selbstverständlichkeit für eine Gemeinde dieser Größe. Ein reges Vereinsleben vom Männerchor bis zur Feuerwehr, Kirchgemeinde, Feste und Traditionen prägen den Alltag. Hier kennt man sich, hier hilft man sich.
Dass Neukirchen nach der Wiedervereinigung seinen Weg so beständig gegangen ist, verdankt es auch Menschen, die über Jahrzehnte Verantwortung übernommen haben – allen voran Hubert Beier, der die Gemeinde von 1990 bis zu seinem Tod im Jahr 2010 als Bürgermeister führte und ihre Entwicklung nach der Wende entscheidend prägte. Sein Wirken steht beispielhaft für das, was Kommunalpolitik im besten Sinne ist: Dienst an der eigenen Heimat, mit Augenmaß, Beständigkeit und Herz. Dieses Erbe verpflichtet – und es wird in Neukirchen weitergetragen.
Neukirchen/Pleiße ist keine Gemeinde der großen Schlagzeilen. Es ist etwas Besseres: ein Ort, an dem man gern lebt.
Quellen
Gemeinde Neukirchen/Pleiße (www.neukirchen-pleisse.de)