Ganz im Westen Sachsens, direkt an der Grenze zum Freistaat Thüringen, liegt die Gemeinde Langenbernsdorf – eingerahmt vom Werdauer Wald im Süden und der Talsperre Koberbach im Nordosten. Rund 3.500 Menschen leben in der seit 1994 bestehenden Einheitsgemeinde mit ihren Ortsteilen Langenbernsdorf, Niederalbertsdorf und Trünzig. Und eine Auszeichnung der besonderen Art darf hier nicht unerwähnt bleiben: Zu DDR-Zeiten schmückte sich Langenbernsdorf mit dem Titel „Längstes Dorf". Der Name ist also Programm – das „Lang" hat sich der Ort redlich verdient.
Über 770 Jahre Geschichte
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Langenbernsdorf um 1251 als „Bernsztorff" und gehörte in seinen Anfängen zum vogtländischen Nonnenkloster Cronschwitz. Der Ortsteil Trünzig tauchte 1313 als „Drunz" in den Urkunden auf – sein Name leitet sich vom Wortstamm „Trunka" ab, was „Dreierdorf" bedeutet, und tatsächlich besteht Trünzig bis heute aus drei Teilen. Wer durch Niederalbertsdorf spaziert, wandelt durch ein lebendiges Freilichtmuseum: 78 denkmalgeschützte Gebäude und Gehöfte, darunter prächtige Fachwerkhäuser, zeugen von Jahrhunderten bäuerlicher Baukultur. Eine Kuriosität leistet sich der Hauptort: Langenbernsdorf besitzt gleich zwei Dorfkirchen – St. Katharinen und St. Nicolai. Andere Dörfer haben eine Kirche, Langenbernsdorf hat sich sicherheitshalber zwei gegönnt.
Die Talsperre mit Pioniergeist
Das bekannteste Ausflugsziel der Gemeinde ist die Koberbach-Talsperre – und ihre Entstehungsgeschichte ist ein Lehrstück regionaler Tatkraft: 1925 gründete der Neukirchener Fabrikant Guido Wolf eine Aktiengesellschaft, um die Brauchwasserversorgung der Crimmitschauer Textilindustrie zu sichern. Ab 1926 entstand hier der erste moderne Erdschüttdamm Deutschlands – finanziert durch Aktienverkauf und Beschäftigungsprogramme für Erwerbslose. Unternehmergeist, Weitblick und soziale Verantwortung in einem Bauwerk vereint: Besser kann man die Tradition dieser Region kaum auf den Punkt bringen.
Heute dient die Talsperre dem Hochwasserschutz und vor allem der Erholung: Baden, Segeln, Tauchen, Campingplatz, Bootsverleih, Gastronomie – und als besonderes Schmankerl eines der wenigen Autokinos Ostdeutschlands gleich nebenan. Das einzige größere Badegewässer der Umgebung ist im Sommer der Treffpunkt für die ganze Region.
Wo noch gesungen wird
Was Langenbernsdorf im Innersten zusammenhält, hört man am besten – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Gemeinde verfügt über eine für ihre Größe erstaunliche Chorlandschaft: Kirchenchöre an St. Katharinen und St. Nicolai, Posaunenchöre, ein Kinderchor, der Männergesangverein, der Volkschor in Trünzig und sogar eine eigene Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr. Man könnte augenzwinkernd sagen: Hier gibt es mehr Chöre als Ampeln – und genau so soll es sein.
Dazu kommen der Reit- und Fahrsport mit hohem Stellenwert, die Fußballer der SG Trünzig, der beliebte Waldsportplatz Stöckener Hasenheide mitten im Werdauer Wald und die Ausflugsgaststätte „Waldperle" am Waldrand. Grundschule, Kindertagesstätten, Einkaufsmöglichkeiten und Vereinsleben – Langenbernsdorf hat, was man zum Leben braucht, und dazu etwas, das sich nicht kaufen lässt: eine Gemeinschaft, die trägt.
Langenbernsdorf zeigt, was den ländlichen Raum stark macht: Menschen, die sich einbringen, Traditionen, die gepflegt werden, und die Gewissheit, dass ein Dorf mehr ist als eine Ansammlung von Häusern. Das längste Dorf – mit einem der größten Herzen unserer Region.
Quellen
Gemeinde Langenbernsdorf (www.langenbernsdorf.eu)
Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen / Talsperre Koberbach