Die Gemeinde Fraureuth

Wo einst Porzellan von Weltruf entstand

Die Gemeinde Fraureuth westlich von Zwickau zählt mit ihren Ortsteilen Beiersdorf, Fraureuth, Gospersgrün und Ruppertsgrün rund 5.000 Einwohner – eine typische westsächsische Industrie- und Agrargemeinde, in der Tradition und Tatkraft zu Hause sind. Der Name geht auf die Gründung im 13. Jahrhundert zurück: „Frawenrud" nannten die fränkischen Siedler ihre Rodung zu Ehren der Jungfrau Maria, und noch heute ziert eine Madonna das Gemeindewappen. Kleine Besonderheit am Rande: Bis 1952 gehörte Fraureuth zu Thüringen – die Gemeinde vereint also thüringische und sächsische Traditionen und ist der beste Beweis, dass beides bestens zusammenpasst.

Ein Dorf fordert Meißen heraus

Die große Geschichte Fraureuths beginnt mit einem jungen Mann, dem die Arbeit im großväterlichen Textilgeschäft schlicht nicht gefiel: Bruno Födisch lernte stattdessen im böhmischen Klösterle die Geheimnisse der Porzellanherstellung und gründete 1865 gemeinsam mit seinem Cousin die Porzellanfabrik Fraureuth. Was folgte, war eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte: Aus zwei Öfen und 60 Arbeitern wurden bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg 1.500 Beschäftigte. Rund 200 Porzellanmaler schufen nach über 8.000 Dekorvorlagen Geschirr und Zierporzellan, das dem Meißner Porzellan fast ebenbürtig war – und auf der Weltausstellung in Sydney sogar den ersten Preis holte. Fraureuther Porzellan zierte die Tafeln internationaler Schifffahrtslinien und wurde bis nach Amerika exportiert. Ein Dorf mit 8.000 Dekoren und Weltausstellungsgold: Man muss sich das erst einmal trauen.

Der Grundsatz der Firma lautete übrigens: „Porzellan soll Freude machen!" – ein Motto, das man sich auch heute noch für so manches Produkt wünschen würde. Die Inflation der 1920er Jahre setzte dem Unternehmen leider ein Ende, 1926 musste Konkurs angemeldet werden. Doch die Erinnerung lebt: Im liebevoll restaurierten Herrenhaus der einstigen Fabrik zeigt der Förderverein Fraureuther Porzellan die Kunstfertigkeit der Porzelliner – und unter Sammlern erzielen Fraureuther Stücke bis heute stolze Preise.

Von der Porzellanmasse zum Präzisionslager

Fraureuth wäre nicht Fraureuth, wenn nach dem Porzellan Schluss gewesen wäre. Ab 1943 entwickelte sich die metallverarbeitende Industrie, und bis heute werden am Standort Wälzlager, Schleifspindeln und Präzisionstechnik gefertigt – Produkte, die man selten sieht, ohne die aber weltweit kaum eine Maschine läuft. Dazu kommen Handwerk, Gewerbe und eine selbstvermarktende Landwirtschaft. Vom feinen Porzellan zum präzisen Wälzlager: Die Fraureuther haben immer verstanden, dass Qualität die beste Empfehlung ist.

Silbermann, Wassermühle und ein Bad mit Trinkwasserqualität

Ein echtes Kleinod birgt die Fraureuther Kirche von 1733: eine Orgel von Gottfried Silbermann aus dem Jahr 1742, dem bedeutendsten Orgelbauer seiner Zeit, auf der bis heute namhafte Künstler bei den Silbermann-Tagen konzertieren. Im Ortsteil Gospersgrün wurde die einzige oberschlächtige Wassermühle Westsachsens liebevoll restauriert, und die Dorfkirche St. Annen in Ruppertsgrün stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Und dann ist da noch das idyllische Waldbad, das mit Brunnenwasser in Trinkwasserqualität gefüllt wird – man badet hier also gewissermaßen im Mineralwasser – und in dem alljährlich ein Rock-Open-Air stattfindet. Zusammen mit Reiterhöfen, Wanderwegen ins Römertal und bis in den Werdauer Wald sowie einem bemerkenswert regen Vereinsleben zeigt sich: Fraureuth ist eine Gemeinde, in der Gemeinschaft nicht nur ein Wort ist, sondern gelebter Alltag.

Quellen

  • Gemeinde Fraureuth (www.fraureuth.de)
  • Förderverein Fraureuther Porzellan e. V. (www.porzellanausstellung-fraureuth.de)
  • Tourismusregion Zwickau / Zeitsprungland (www.zeitsprungland.de)
  • Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (www.statistik.sachsen.de)