„NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“
Der diesjährige Tag des offenen Denkmals steht unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“.
Das passt hervorragend zu unserer Region. Denn die wirtschaftliche Entwicklung des Zwickauer Landes wäre ohne solche Netzwerke kaum denkbar gewesen: Verkehrswege, Eisenbahnverbindungen, Energieversorgung, Schulen, Fabriken und öffentliche Gebäude haben Menschen und Orte miteinander verbunden und den Austausch von Waren, Wissen und Ideen ermöglicht.
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz richtet mit dem diesjährigen Motto deshalb den Blick ausdrücklich auf Bewegung, Austausch und Verbindungen. Neben klassischen Baudenkmälern sollen beispielsweise auch historische Brücken, Kraftwerke, Schulen, Behörden und andere infrastrukturelle Einrichtungen stärker ins Bewusstsein gerückt werden.
Gleichzeitig lässt sich der Begriff „Netzwerke“ noch auf eine zweite Weise verstehen. Denn auch Denkmalschutz selbst braucht ein starkes Netzwerk. Eigentümer, Vereine, Kirchgemeinden, Kommunen, Unternehmen, Handwerker, Denkmalpfleger und viele Ehrenamtliche arbeiten gemeinsam daran, historische Gebäude zu erhalten und mit neuem Leben zu füllen. Ohne dieses Engagement vor Ort wären viele Zeugnisse unserer Geschichte längst verloren.
Gerade deshalb ist der Tag des offenen Denkmals auch ein Tag des Dankes an diejenigen, die sich das ganze Jahr über um unser kulturelles Erbe kümmern.
Mehr als 5.500 Denkmale öffnen bundesweit
Seit 1993 wird der Tag des offenen Denkmals von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bundesweit koordiniert. Er ist heute die größte Kulturveranstaltung Deutschlands und zugleich der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days. Für 2026 sind bundesweit bereits mehr als 5.500 Denkmale angemeldet. Hinzu kommen mehr als 800 Denkmal-Touren. Viele der Führungen, Besichtigungen und Veranstaltungen sind kostenfrei.
Auch im Zwickauer Land ist die Bandbreite bemerkenswert.
Vom Klassizismus bis zur Industriegeschichte: Denkmale in unserer Region
In Zwickau kann beispielsweise die ehemalige Bürgerschule in der Peter-Breuer-Straße besichtigt werden. Der klassizistische Bau wurde 1840/1841 durch den Zwickauer Stadtbauinspektor Karl Friedrich Emil Gutwasser, einen Schüler Karl Friedrich Schinkels, errichtet. Nach unterschiedlichen Nutzungen wurde das Gebäude 2024 und 2025 denkmalgerecht aufgearbeitet und zu einem Gewerkschaftshaus umgestaltet. Am Tag des offenen Denkmals werden unter anderem das Foyer mit seiner repräsentativen Treppenanlage und der restaurierte zweigeschossige Festsaal gezeigt.
Ein ganz anderes Stück Zwickauer Baugeschichte bietet die Villa Falck an der Äußeren Schneeberger Straße. Die zweigeschossige Gründerzeitvilla besitzt noch heute bemerkenswerte Teile ihrer ursprünglichen Innenausstattung. Dazu gehören das herrschaftliche Treppenhaus, Stuckdecken, Wandvertäfelungen, Parkettböden sowie historische Wand- und Deckenmalereien. Am 13. September werden mehrere geführte Rundgänge angeboten.
Auch die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum und die Ratsschulbibliothek beteiligen sich. Das 1914 als König-Albert-Museum eröffnete Gebäude ist selbst ein Denkmal und wird derzeit brandschutztechnisch saniert. Die dort beheimatete Ratsschulbibliothek gehört zugleich zu den ältesten wissenschaftlichen Bibliotheken Mitteldeutschlands. Mehrere Kurzführungen geben am Aktionstag Einblicke in das Gebäude.
Industriegeschichte, die unsere Region geprägt hat
Besonders eng mit der Geschichte unserer Heimat verbunden ist die Industrie.
Ein herausragendes Beispiel dafür ist die Tuchfabrik Gebr. Pfau in Crimmitschau. Die ersten Fabrikgebäude entstanden bereits 1885. Heute gilt das Ensemble als technisches Denkmal von europäischem Rang. Solche Orte zeigen besonders eindrucksvoll, warum Denkmalschutz nicht nur etwas mit Schlössern, Burgen oder prachtvollen Bürgerhäusern zu tun hat. Die Industriekultur gehört genauso zu unserer Identität. Generationen von Menschen haben in diesen Betrieben gearbeitet, Familien ernährt und damit den wirtschaftlichen Aufstieg unserer Region ermöglicht. Die Tuchfabrik ist am 13. September von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Geschichte erleben in Schloss Blankenhain
Natürlich gehört für mich auch das Deutsche Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain zu den besonderen Orten unserer Region. Das Museum bewahrt nicht nur Gebäude und historische Gegenstände. Es vermittelt auf einzigartige Weise, wie Landwirtschaft und ländliches Leben über Generationen hinweg funktioniert und sich verändert haben. Damit wird Geschichte nicht abstrakt erzählt, sondern unmittelbar erlebbar.
Am 13. September gibt es dort unter anderem von 13 bis 15 Uhr eine Schauvorführung zum Sensenmähen und Dengeln. Gerade solche praktischen Vorführungen zeigen, wie viel Wissen und handwerkliches Können früher zum Alltag gehörten.
Für mich ist Schloss Blankenhain deshalb ein gutes Beispiel dafür, wie Denkmalschutz funktionieren kann: Ein historischer Ort wird nicht einfach konserviert, sondern genutzt, vermittelt und an kommende Generationen weitergegeben.