2026 08 14 bsw Werdau Unternehmensvertreter

Ausbildungsstart in Werdau: Eine Investition in Selbstständigkeit, Fachkräfte und die Zukunft unserer Region

verfasst am 17.08.2026
2026 08 14 bsw Werdau Unternehmensvertreter

Besuch zur feierlichen Eröffnung des Ausbildungsjahres 2026/2027 im Bildungszentrum Werdau

Der Beginn einer Ausbildung ist für junge Menschen weit mehr als der erste Tag in einem Betrieb oder Bildungszentrum. Er markiert einen wesentlichen neuen Schritt im Leben: den Einstieg in das Berufsleben, den Beginn wachsender Eigenständigkeit und die Übernahme von Verantwortung. Mit dem Ausbildungsvertrag und dem ersten eigenen Einkommen eröffnet sich für die Auszubildenden zugleich ein neues Stück Unabhängigkeit.

Umso mehr habe ich mich gefreut, heute an der feierlichen Eröffnung des Ausbildungsjahres 2026/2027 im Bildungszentrum Werdau des Bildungswerks der Sächsischen Wirtschaft teilzunehmen. Gemeinsam mit den neuen Auszubildenden, ihren Familien, Vertreterinnen und Vertretern der Ausbildungsbetriebe sowie Gästen aus Wirtschaft, Politik und Region wurde dieser besondere Lebensabschnitt würdig eingeläutet.

In diesem Ausbildungsjahr beginnen in Werdau 43 junge Menschen aus Deutschland, Vietnam und Usbekistan ihre berufliche Ausbildung. 26 von ihnen kommen aus dem Ausland. Sie alle eint das Ziel, einen anerkannten Berufsabschluss zu erwerben, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und sich eine verlässliche berufliche Zukunft aufzubauen.

Bsw Werdau Lehrer

Ausbildung auf hohem Niveau für eine starke Wirtschaftsregion

Südwestsachsen und insbesondere die Region um Zwickau, Werdau und Crimmitschau sind seit vielen Generationen industriell geprägt. Von hier gingen immer wieder wichtige wirtschaftliche und technische Impulse für den gesamten Freistaat aus. Automobilbau, Maschinenbau, Metallverarbeitung und zahlreiche hochspezialisierte mittelständische Unternehmen haben unsere Region zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort gemacht.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, brauchen wir hervorragend ausgebildete Fachkräfte. Genau hier leistet das Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft einen wichtigen Beitrag.

Seit seiner Gründung hat das Bildungszentrum Werdau mehr als 3.000 Auszubildende begleitet. Heute arbeitet es mit mehr als 65 Unternehmen und Partnern zusammen. Seine Bedeutung reicht dabei weit über Werdau hinaus: Das Bildungszentrum ist ein verlässlicher Partner für Betriebe in Crimmitschau und Zwickau sowie bis weit in das Vogtland hinein.

Gerade für hochspezialisierte Unternehmen ist eine solche Zusammenarbeit unverzichtbar. Nicht jeder Ausbildungsbetrieb kann in seinen eigenen Werkstätten das gesamte fachliche Leistungsspektrum eines Ausbildungsberufes vermitteln. Überbetriebliche Bildungszentren schließen diese Lücke. Sie ergänzen die praktische Ausbildung im Unternehmen und stellen sicher, dass die jungen Menschen umfassende Kenntnisse, Fertigkeiten und technisches Verständnis erwerben.

Am Ende steht damit eine Qualifikation, die weit über die jeweils konkrete Tätigkeit im Ausbildungsbetrieb hinausgeht. Die Auszubildenden lernen unterschiedliche Verfahren, Maschinen und Arbeitsweisen kennen. Das macht sie vielseitig einsetzbar, stärkt ihre berufliche Entwicklung und schafft zugleich einen wichtigen Mehrwert für die beteiligten Unternehmen.

Die duale Ausbildung ist ein Erfolgsmodell

Die duale Ausbildung ist eine der großen Stärken unseres Wirtschafts- und Bildungssystems. Die enge Verbindung von praktischer Arbeit im Unternehmen und theoretischer Wissensvermittlung schafft berufliche Qualifikationen, die sich unmittelbar an den Anforderungen der Arbeitswelt orientieren.

Viele andere Länder blicken mit großem Interesse auf dieses Modell. Immer wieder gibt es Versuche, die duale Ausbildung auch international zu etablieren. Dabei zeigt sich jedoch, dass sich ihr Erfolg nicht einfach kopieren lässt. Denn das deutsche System beruht auf einem besonderen gemeinsamen Grundverständnis: Betriebe übernehmen Verantwortung für die Ausbildung junger Menschen, die Auszubildenden arbeiten von Beginn an praktisch mit und erhalten dafür eine angemessene Vergütung. Gleichzeitig werden verbindliche Ausbildungsstandards eingehalten und theoretisches Wissen systematisch vermittelt.

Diese Kombination aus Lernen, praktischer Verantwortung und fairer Bezahlung schafft Motivation und eröffnet jungen Menschen frühzeitig den Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Genau das macht die duale Ausbildung so wertvoll.

Das Bildungszentrum Werdau steht in besonderer Weise in der Tradition der gewerblich-technischen Ausbildung. Es sorgt dafür, dass theoretisches Wissen und praktische Fähigkeiten miteinander verbunden werden und die Ausbildungsqualität auch in spezialisierten Berufsbildern gesichert bleibt.

Fachkräftesicherung entscheidet über unsere wirtschaftliche Zukunft

Eine hochwertige Ausbildung ist nicht nur für die jungen Menschen selbst von Bedeutung. Sie ist zugleich eine zentrale Voraussetzung für die Zukunft unserer Unternehmen. Ohne qualifizierte Fachkräfte können Innovation, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit auf Dauer nicht gesichert werden.

Deshalb muss uns die Entwicklung der vergangenen Jahre nachdenklich stimmen: Innerhalb von etwa 15 Jahren ist die Zahl der Ausbildungsstellen in unserer Region um rund 50 Prozent zurückgegangen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der demografischen Entwicklung. Gleichzeitig müssen wir aber auch darüber sprechen, ob noch genügend Unternehmen bereit und in der Lage sind, selbst auszubilden.

Dieser Rückgang ist ein ernst zu nehmendes Signal und muss auch politisch Aufmerksamkeit erfahren. Wenn heute weniger ausgebildet wird, fehlen morgen die Facharbeiterinnen und Facharbeiter, Technikerinnen und Techniker sowie die erfahrenen Beschäftigten, die ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben können.

Hinzu kommt eine weitere Herausforderung: Rund 60 Prozent der Ausbildungsstellen entfallen auf den kaufmännischen Bereich, während etwa 40 Prozent im produzierenden beziehungsweise gewerblich-technischen Bereich angesiedelt sind. Gerade für eine stark industriell geprägte Region muss es deshalb unser gemeinsames Ziel sein, auch künftig ausreichend junge Menschen für technische und handwerkliche Berufe zu gewinnen und ihnen eine Ausbildung auf hohem Niveau anzubieten.

Dafür braucht es moderne Ausbildungsbedingungen, engagierte Betriebe, starke Bildungszentren und eine Berufsorientierung, die jungen Menschen frühzeitig zeigt, welche vielfältigen Perspektiven gewerblich-technische Berufe bieten.

Internationale Auszubildende sind ein wichtiger Teil der Fachkräftesicherung

Die Eröffnung des neuen Ausbildungsjahres zeigt zugleich, dass Fachkräftesicherung längst auch eine internationale Aufgabe ist. Von den 43 jungen Menschen, die in diesem Jahr ihre Ausbildung im Bildungszentrum Werdau beginnen, stammen 26 aus dem Ausland.

Das Bildungswerk kann dabei bereits auf wichtige Erfahrungen zurückgreifen. Seit 2019 haben in Werdau 140 junge Menschen aus Vietnam ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Im neuen Ausbildungsjahr beginnen zusätzlich zehn Auszubildende aus Usbekistan ihren beruflichen Weg.

Diese Zahlen stehen nicht nur für gelungene Fachkräftegewinnung. Hinter ihnen stehen junge Menschen, die ihr vertrautes Umfeld verlassen, eine neue Sprache lernen und sich in einer ihnen zunächst fremden Gesellschaft zurechtfinden müssen. Das verlangt Mut, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen.

Damit internationale Ausbildung dauerhaft gelingt, reicht die fachliche Vermittlung allein nicht aus. Ebenso wichtig sind Sprachförderung, soziale Begleitung, Unterstützung bei Alltagsfragen und eine echte Integration in Betriebe und Gesellschaft. Das Bildungszentrum Werdau übernimmt hierbei eine wichtige Brückenfunktion zwischen den Auszubildenden, den Unternehmen und der Region.

Wer hier eine Ausbildung absolviert, anschließend im Beruf Fuß fasst und in unserer Region eine neue Heimat findet, leistet einen wertvollen Beitrag zu unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zukunft.

Neue Unterstützung in Pflege und Straßenbau

Das Bildungszentrum entwickelt sein Angebot zugleich weiter. Erstmals werden in diesem Ausbildungsjahr auch Auszubildende in den Bereichen Pflege und Straßenbau unterstützend begleitet und betreut.

Damit reagiert das Bildungswerk auf einen Bedarf, der in ganz unterschiedlichen Bereichen unserer Gesellschaft sichtbar ist. Sowohl in der Pflege als auch im Bau- und Infrastrukturbereich werden dringend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigt. Die Ausweitung der Unterstützung zeigt, dass Fachkräftesicherung nicht auf einzelne klassische Industrieberufe begrenzt werden darf. Sie betrifft nahezu alle Bereiche unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens.

Berufliche Perspektiven auch neben dem Leistungssport

Besonders interessant sind zudem die Kooperationen mit den Eispiraten Crimmitschau und dem FSV Zwickau. Dabei geht es darum, jungen Sportlerinnen und Sportlern neben ihrer sportlichen Laufbahn auch den Zugang zu einer gewerblich-technischen Ausbildung zu ermöglichen.

Eine Karriere im Leistungssport verlangt schon in jungen Jahren einen enormen zeitlichen Einsatz. Gleichzeitig gelingt nur einem Teil der Nachwuchssportler dauerhaft der Sprung in den Profibereich. Verletzungen, sportliche Entwicklungen oder andere persönliche Umstände können eine Laufbahn zudem jederzeit verändern.

Deshalb ist es wichtig, frühzeitig eine zweite berufliche Perspektive aufzubauen. Die Verbindung von Sport und Ausbildung gibt jungen Menschen Sicherheit und verhindert, dass sie nach dem Ende ihrer sportlichen Laufbahn ohne berufliche Grundlage dastehen. Die Kooperationsmodelle des Bildungswerks schaffen hierfür flexible und praxisnahe Möglichkeiten.

Sie zeigen beispielhaft, wie unterschiedliche Akteure einer Region gemeinsam Verantwortung übernehmen können: der Sport, die Ausbildungsbetriebe und das Bildungszentrum.

Gute Ausbildung braucht eine gemeinsame Anstrengung

Die heutige Eröffnung des Ausbildungsjahres hat erneut deutlich gemacht, wie viele Partner zusammenwirken müssen, damit Ausbildung gelingt. Dazu gehören die jungen Menschen selbst, ihre Familien, engagierte Ausbilderinnen und Ausbilder, die Unternehmen, die Berufsschulen, Bildungszentren und nicht zuletzt die politischen Rahmenbedingungen.

Mein Dank gilt dem gesamten Team des Bildungszentrums Werdau sowie den beteiligten Ausbildungsbetrieben. Sie vermitteln nicht nur fachliches Wissen, sondern begleiten junge Menschen in einer entscheidenden Lebensphase. Sie schaffen Orientierung, fördern Talente und helfen dabei, aus ersten beruflichen Erfahrungen eine dauerhafte Perspektive zu entwickeln.

Den 43 neuen Auszubildenden wünsche ich einen erfolgreichen Start, Freude am Lernen, Neugier auf ihre beruflichen Aufgaben und den Mut, auch bei Herausforderungen nicht aufzugeben. Eine Ausbildung verlangt Einsatz und Ausdauer, eröffnet aber zugleich Chancen, die weit über den ersten Berufsabschluss hinausreichen.

Der Beginn des Ausbildungsjahres ist deshalb nicht nur ein wichtiger Tag für die Auszubildenden. Er ist auch ein guter Tag für unsere Unternehmen, für die Fachkräftesicherung und für die Zukunft Südwestsachsens. Denn jeder junge Mensch, der heute eine fundierte Ausbildung beginnt, kann morgen mit seinem Wissen, seinen Ideen und seiner Arbeit dazu beitragen, dass unsere Region innovativ, wettbewerbsfähig und lebenswert bleibt.